1997
„Noch heute gehört das Tal der Oberweser zu den rar gewordenen stillen Flußtälern Deutschlands.“
„Früher herrschten im Weserbergland Kurhessen, Hannover und Preußen. Dementsprechend teilen es sich heute die Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ..... Diese politische Zerrissenheit ist der Oberweser oft zum Nachteil ausgeschlagen und hat auch bisher die Absicht vereitelt, sie durch eine Kanalisierung, Staustufen und Schleusen zu einem bedeutenden Verkehrsträger auszubauen. Vielleicht wurde aber auch durch diese Unterlassung verhindert, daß eine rücksichtslose Industrialisierung die romantische Landschaft des Weserberglandes zerstört hätte.“
Joachim Garfs: Das Weserbergland zwischen Münden und Minden. Hameln, Niemeyer, 1997 (4. Aufl.) S. 10
1982
„An der Oberweser ist das Weserbergland ein sanftes Hügelland, viel Wald, Sandsteinbrüche, offene Täler, Erhebungen, die meist unter 500 Metern bleiben. Eine Gegend der kleinen Bäche und Flüßchen, der Landwirtschaft und des Holzreichtums. „Der große Forst“ nannte Wilhelm Raabe das Gebiet um den Solling, das auch zu den schönsten Waldlandschaften in Deutschland zählt. ....
Das Weserbergland ist eine Gegend für Tier- und Pflanzenfreunde, für kinderfreundliche Familienferien auf dem Bauernhof, Sommerfrischen mit einfachen Privatzimmern. Keine aufregenden Berge, nur sanfte Buckel, angenehmes Mittelgebirgsklima und überall Tierparks ....“
Bruno Manz: „Die Weser“ in: Deutschland. Das Land, in dem wir leben. Stuttgart u.a. Deutscher Bücherbund 1982, S. 276 f.
„Die Weser durchquert auf ihrem Weg zwischen Hannoversch-Münden und Minden eine Reihe sehr unterschiedlicher, insgesamt aber reizvoller Landschaften. .... Diese Landschaften sind ohne ihre Geschichte schwerlich darzustellen – eine Geschichte, die weit zurückreicht, bis hin zu den Anfängen der Geschichtsschreibung auf deutschem Boden. ....
Der Weserraum hat schon immer Grenzcharakter gehabt. Die großen überregional wichtigen Verkehrsverbindungen haben ihn lange Zeit nördlich und südlich umgangen. Erst in den letzten hundert Jahren ist er verkehrstechnisch weiter erschlossen worden, z.B. durch die Errichtung der Eisenbahnlinien, in neuerer Zeit durch ein engeres Straßennetz. ....
Weserlandschaften – die Aspekte sind zahlreich, unter denen sie betrachtet werden können, sei es aus der Sicht des Heimatfreundes, des Wanderers, des Malers, Literaten, Architekten, Fotografen, Soziologen, Ökologen, Raumplaners oder Geographen. Aber die Verknüpfung aller dieser Aspekte vermag den vielschichtigen und reizvollen Weserlandschaften voll gerecht zu werden.“
Udo Theissmann / W. Meier: Weserlandschaften. Horn-Bad Meinberg 1982 (2. Aufl.), S. 11 ff.
1981
„Nach der Erfindung des
Spinnrades im Jahre 1530 entwickelte sich die Leineweberei als Gewerbe. Die Weber des Weserberglandes waren Bauernhandwerker wie die Zimmerleute, die Stellmacher, die Böttcher und die Schmiede. In
der Gegend um Uslar, in Sohlingen, Schoningen, Offensen, Ahlbershausen, Wiensen und in manchem anderen Ort gab es im 18. Jahrhundert große Leinenbleichen. Auch in Bevern, Tuchtfeld und weiteren Orten
wurde Leinenweberei betrieben. In jedem Haus stand ein Webstuhl, auf dem Leinen gewebt wurde, das weserabwärts auf Schiffen bis Bremen und von dort aus nach Holland, Nord- und Südamerika, Westindien
und Ostasien verschickt wurde, wo man es zur Bekleidung der Plantagenarbeiter verarbeitete. Von Amerika kommt es heute als modische Jeans-Kleidung nach hier zurück.“
Ernst Peinecke: Streifzüge durch die Vergangenheit des Weserberglandes. Holzminden 1981, S. 88 f.
1979
Karl Löbe erwähnt in seinem dialogisch aufgebauten Werk aus dem Jahre 1979 die Varusschlacht im Zusammenhang mit der Sieburg bei Karlshafen wie folgt:
Hier habe es „um die Zeit der Schlacht im Teutoburger Wald, von der man das Datum, aber nicht den Ort weiß, einen gesellschaftlichen Skandal gegeben. Die Tochter eines Fürsten sei mit einem jungen Mann durchgegangen. „Das kann ja mal vorkommen“, war das einstimmige Urteil der Damen. Was denn daran so wichtig sei?
„Der Fürst hieß Segest, seine Tochter Thusnelda und der Entführer Hermann, den wir heute den Cherusker nennen und der unter dem Namen Arminius bei den Römern eine schlechte Presse hatte. Und das Ganze soll hier auf der Sieburg stattgefunden haben. Aber das ist nur eine Sage. Denn hier oben auf dem Berg ist nur eine germanische Fliehburg gewesen, keine gemauerte und bewohnte Burg.“
Karl Löbe: Im Weserland. Hameln 1979, S. 60
1976
„Das weiträumige Weserbergland ist noch unverfälschte reine Natur. Reinhardswald, Bramwald, Ödelsheimer Forst, Solling, Vogler, Hils, Ith, Deister, Süntel, Rumbecker Forst – große, den Fluß begleitende oder mit ihm verbundene Bergwälder – geben dem Land Ursprünglichkeit, Frische und Farbigkeit. Jedes einzelne Gebiet hat seinen eigenen Charakter .... Jedes ist auch eine kleine Welt für sich in geologischer Gestalt, botanischen Überraschungen, volkskundlichem Gepräge.“
Fritz Seifert (Hg): Schönes Weserbergland. Hameln, Niemeyer 1976 (3. Aufl.)
1968
Karl Löbe über die Besiedlung des Weserraumes:
„Ein Klostergründer ist er nicht, dieser mächtige Frankenkönig Karl, der das Land an der Weser verändert. Er gründet Bistümer und Probsteien als zivile Verwaltungsstützen des eroberten Landes. Sie stehen miteinander in Verbindung ..... Der Platz, wo man die Pfähle eingeschlagen hat, die „Schlagd“ oder „Schlachte“, wird ein besonderer Platz im Ort, der erste Verkehrsplatz. Dort ist das Ufer fest und das Wasser tiefer als sonst am sumpfigen Flußrand. Man kann mit Schiffen heran, und man kann es auch wagen, die Häuser näher an den Fluß zu stellen. Bald gibt es eine Schlagd in vielen Weserorten ... Der Hafenbau hat seinen Anfang genommen.
Schiff und Hafen, die beiden Voraussetzungen eines Handelsverkehrs der Weserstraße, sind nun da. Aber der Dritte im Bunde ist bald auch schon da: die Klage über das schlechte Fahrwasser. Aus dem 8. und 9. Jahrhundert finden sich in Urkunden Beschwerden über das Fahrwasser zwischen Münden und Hameln. Bäume, Steine, Inseln, Felsen und Stromspaltungen machten der Schiffahrt das Leben schwer, wird berichtet. Auch von dem Ärgernis der Fischwehre ist die Rede.“
Karl Löbe: Das Weserbuch. Roman eines Flusses. Hameln 1968, S. 182
1967
„Ganz anders als der ernste Harz ist das Leine- und Weserbergland. Gelockerter, gelöster sind seine Formen. Hier beherrschen weiche Linien und Übergänge das Landschaftsbild auch in den Einzelzügen. Weite fruchtbare Täler werden eingefaßt von Bergrücken, die vielfach sanft ansteigen und oft einen schmalen Kamm haben. Laubwald bedeckt die Höhenzüge mit ihren reichen Wellungen und läßt ihre äußere Gestalt behäbiger, man möchte auch sagen behaglicher erscheinen. Durch die gewundenen Täler, die im südlichen Teil des Landes enger sind .... ziehen sich alte Heerstraßen ..... Reizvolle Straßenbilder und hervorragendes Können des Handwerks verratende Einzelbauten sind Kulturdenkmäler besonderer Art und künden von der einstigen Bedeutung des an die Straße gebundenen Handels. Wie überhaupt diese Landschaft, der alle scharfen Gegensätze fehlen, reich ist an großartigen Bildern ....
Kalk und Sandstein bilden den Kern des südhannoverschen Berglandes. Große Steinbrüche finden sich in vielen Gebieten dieses Raumes. Aus Sandstein sind die sakralen und profanen Großbauten der Vergangenheit errichtet, die Dome, Stifts- und Klosterkirchen, die Rathäuser und die Häuser des Adels und des städtischen Patriziats.“
Ulrich Stille: „Niedersachsen“ in: Deutschland. Ein Hausbuch. 1960 (hier 14. Aufl. 1967), S. 247
1965
„Die Siedlungen des Sollings haben eine historisch recht interessante Vergangenheit. Während um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts die bäuerliche Bevölkerung um ihre Existenz rang, zog ein neuer Gewerbezweig in die Waldungen ein, die sogenannten „Wanderhütten“, d. h. nomadisierende, ihren Sitzplatz laufend wechselnde Glasbläsereien, die den Holzreichtum weidlich ausnutzten und zum Teil schädigten, wie man stellenweise noch deutlich sehen kann. Später bezogen sie feste Plätze wie Hellental, Silberborn, Amelith, Neuhaus und eine Reihe anderer. Im 19. Jahrhundert gingen die meisten wieder ein.“
Wilhelm Bardorff: Bezaubernde Natur in deutschen Naturschutzlandschaften. Berlin, Safari-Verlag 1965, S. 378 f.
„Wie im Kaufunger Wald war auch der Reinhardswald früher reiner Buchen- und Eichenwald, der in der neueren Zeit viel mit Fichtenbeständen durchsetzt wurde, während andere Teile, so das Naturschutzgebiet des sogenannten „Urwaldes“ in der Nähe der Sababurg noch in ihrer Ursprünglichkeit erhalten sind. Auch im Reinhardswald waren die großen Waldungen ein Anziehungspunkt für das Glasmachergewerbe. Glashütten und Schmelzbetriebe siedelten sich an und lichteten für ihre Öfen rücksichtslos die Baumbestände; „waldverwüstend“ war ihr Wirken, wie es in einer alten Chronik heißt. Ein noch schlimmerer Nachteil für die Waldungen waren die sogenannten Hutebetriebe: die Einwohner von Veckerhagen, Gottsbüren, Grebenstein und Hofgeismar hatten die Gerechtsame, ihre Viehherden in den Wald zu treiben, wo sie „weiden“ durften; wie zu erwarten, verbissen die Tiere dabei die Triebe und zertrampelten den Jungwuchs, so daß der Wald ungeheuren Schaden erlitt.“
Wilhelm Bardorff: Bezaubernde Natur in deutschen Naturschutzlandschaften. Berlin, Safari-Verlag 1965, S. 401 f.
1962
„Das Wesertal von Hann. Münden bis Karlshafen (Weserlauf 44,5 km) gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Tallandschaften, die im deutschen Vaterland zu finden sind. Rechts von den Bergwäldern des Bramwaldes, Oedelsheimer Forstes, Sollingknies und links von dem ausgedehnten Reinhardswald begleitet, ja streckenweise sogar bedrängt, ist der Fluß zu vielen Biegungen gezwungen, die den Wanderer und Reisenden von den Straßen und vom Wasser aus immer aufs neue überraschen. .... Es lohnt sich aus verschiedenen Gründen, das rechte und linke Ufer ganz kennenzulernen. Man kann das in einer Beschaulichkeit tun, die längst aus unserem Leben verschwunden ist, wenn die Reise mit dem Dampfer unternommen wird. Wer aber nicht nur die wunderbaren Naturbilder erleben, sondern auch besinnlich auf den Spuren alter Kultur und Geschichte wandeln möchte, muß das aufsuchen, was Menschengeist und Menschenhände im Laufe von Jahrhunderten an den Ufern der Weser gebaut haben: Dörfer, Klöster, Kirchen und Burgen.“
Fritz Seifert: Schöne Heimat Weserbergland. Hameln, Verlag F. Seifert 1962 (2. Aufl.), spätere Ausgaben erschienen unter dem Titel: Das Weserberglandbuch (ab 1973)
1958
„Dieses an Abwechslung so reiche Tal der Oberweser zählt zu den reizvollsten Landschaften Deutschlands. Wiesen und Felder, Laub- und Nadelwälder, hohe Berge, oft mit bizzaren Felsbildungen, wechseln miteinander ab und begleiten den Fluß. Die waldbestandenen Höhen vom Reinhardswald, Bramwald, Solling, Köterberg, Vogler, Ith und Deister schieben sich an die Ufer heran und bestimmen den gewundenen Lauf. Bis zur Weser drangen die Römer vor und errichteten dort ihre Sommerlager; unsere Vorfahren, die Germanen, bauten auf den Bergen ihre mächtigen Volks- und Fluchtburgen. Später gründete Karl d. Gr. in dem geschützten Tal Königshöfe ....“
Poppe-Marquard, Hermann: Das Wesertal. Von Hannoversch-Münden bis Minden. Osnabrück, Fromm 1958
„So liebenswürdig dies alles ist: die Hügel, der sanft hinströmende Weserfluß, die einladenden Ufer, die anheimelnden Ortschaften, die vielen Zeugen der Vergangenheit, - so schwerfällig bewegt sich doch vieles hier, viel zu schwer für das Zeitalter des Atoms; und dieses Gefühl des Zu-Langsamen mag es sein, das einen Teil der Bevölkerung veranlaßt, sich in einer Art revoltierender Reaktion für die Vergangenheit zu entscheiden; denn wenn auch die Sozialdemokraten bis nach Bremen hinauf über eine starke Anhängerschaft verfügen, so erweist sich doch in vielen Fällen das Bündnis der Christdemokraten mit der Deutschen Partei als stärker.“
Werner Steinberg/Harry Evers: Weserland. Dresden, Sachsenverlag 1958, S. 13 f.
1954
„Im Ausgang der Bronzezeit waren die Germanen bis ins Herz des Weserberglandes vorgedrungen, etwa bis zum Zusammenfluß der Werra und Fulda, der seitdem auf der östlichen Seite des Stromes die dauernde Grenze zwischen den ursprünglich keltischen Chatten (= Hessen) und den nördlich davon siedelnden germanischen Stämmen geblieben ist. ... Um die Zeitenwende .... versuchten die Römer, nachdem sie das linksrheinische Germanien unterworfen hatten, auch das rechtsrheinische zu erobern. An der Weser richteten sie sich auf dauernde Herrschaft ein.“
Heinrich Spanuth (u.a.): Ferienland Weserbergland. Hannover 1954, S. 6
„Schnittpunkt aller Straßen im hohen Solling ist das 400 m über dem Meeresspiegel gelegene Neuhaus. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts „in iner weiten luftigen Grund, wo allda der Brunnen springet“ als fürstliches Jagdschloß gegründet, zeichnet sich der vielgerühmte Höhenluftkurort aus durch seine windgeschützte sonnige Lage und die vorzüglich eingerichteten Hotels und Gaststätten. In nächster Nähe von Neuhaus liegt das von der Holzminde durchrauschte und von Tannenhecken umhegte Fohlenplacken, während Silberborn, das höchstgelegene Dorf des Sollings, auf dem Weg zum Mecklenbruch und ins Hellenthal zu finden ist. Das Tal der Lieder wiederum verlockt, bis Dassel und seinem merkwürdigen Pfeilerhaus weiterzuwandern oder die sogenannten Papiermacherdörfer Sievershausen, Relliehausen und Hilwartshausen nacheinander kennenzulernen.“
Hans Pusen (u.a.): Ferienland Weserbergland. Hannover 1954, S. 32
1953
„Es ist wohl richtig, daß Wisura, Wiraha, Werra und Weser ursprünglich einen Namen und einen Fluß bedeuten, nämlich die Werra-Weser vom Thüringer Wald bis zur Nordsee, und nur im Klang der Mundarten unterschiedlich entwickelt sind zu Werra und Weser. Aber diese feine Gegensätzlichkeit, die heute altgewohnt ist, hat eine tiefe Berechtigung, denn bei Hann.-Münden wandelt sich die Landschaft. Die Weserlandschaft ist anders als die Landschaft der Werra und Fulda. Die Weser bleibt nicht irgendein Teil der Landschaft, sondern sie wird Mittelpunkt resp. Rückrat von Münden bis Hameln, von wo ab sie unauffälliger in Erscheinung tritt.
Das Weserbergland ist das Gebiet um die Oberweser und ihre Zuflüsse. Im Süden beginnt es mit dem Kaufunger Wald, und etwas weit gegriffen mit dem Meißner, und endet beiderseits der Porta Westfalika. Im Westen reicht es bis an das Eggegebirge und im Osten bis zum Leinetal. Der Kernteil und am zusammenhängendsten ist der Abschnitt von Hann.-Münden bis Hameln mit den unmittelbar an der Weser gelegenen Bergzügen.“
Riege, Rudolf: Kleines Weserlexikon. Hameln 1953, S. 15 ff.
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